von Dr. Thomas Heyden

50 mal(t) 70

Sie sieht aus wie einer der »kleinen Preise« des Discounters Plus. Auf dünnen Beinchen steht die Fünfzig mit einem Farbeimerchen in der einen und einem Pinsel in der anderen Hand und malt gerade mit viel Schwung die Siebzig. »50 mal(t) 70« könnte die Szene heißen – eines der inzwischen rund 120 Bilder, die Roger Libesch seit 2004 im Format 50 mal 70 Zentimeter gemalt hat. Würde der Begriff den Witz des kleinen Gemäldes nicht so sehr verfehlen, müsste man wohl von selbstreferentiell sprechen. Wer hätte gedacht, dass Malerei, die ihre Bedingungen reflektiert, so viel Spaß machen kann! Roger Libesch ist eben kein theorielastiger Maler, sondern einer, dem es beim Malen und Geschichtenerzählen – beides fällt bei ihm in eins – nicht schnell genug gehen kann. Das Maschinengewehr im zweiten selbstbezüglichen Bild der Serie mit dem Schriftzug »Der große Mal-Helfe(r)« erklärt sich vor diesem Hintergrund von allein. Deshalb auch das kleine, schnell zu bewältigende Format. Libesch spricht von »Short Cuts«, Momentaufnahmen eines unerschöpflichen Stroms von Bildern und Worten,...

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von Herbert Heinzelmann

Die Les-Arten der Welt –
Gedanken zu den epischen Bildern von Roger Libesch

Was geschieht wirklich zwischen den Bildern? Denn zwischen den Bildern von Roger Libesch geht etwas vor. Manchmal ist das ganz evident. Da gibt es das Bild mit den sehnsüchtig südlichen Tapetenmotiven: den Fischerbooten, den fernen Bergen, den Andeutungen mediterraner Architektur. Es steht für sich, eine Erinnerung, ein Zitat. Freie Kunst reagiert auf angewandte Kunst. Das alles ist vertraut. Dann gibt es aber ein zweites Bild mit den Tapetenmotiven. Vor ihnen flattert eine Taube auf. Zwei Bilder, ein Grundmotiv, eine Veränderung. Möglicherweise ist Zeit vergangen. Möglicherweise ist ein Film weitergelaufen. Oder eine Buchseite wurde umgeschlagen. In jedem Fall beginnt der Betrachter, die Lücke zwischen den Bildern zu füllen, fängt an, einen Zeitverlauf zu imaginieren, eine Geschichte anzudenken. Er stellt Kontexte her. Bilder im Kontext werden narrativ. Von der Comic-Lektüre kennen wir das. Der Comic-Leser ist zu der intellektuellen Leistung aufgefordert, die Lücke...

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von Barbara Leicht

Rede zur Ausstellungseröffnung
Zentrifuge, 9. April 2010

Roger Libeschs Stories sind vielschichtig, sie besitzen mehrere Erzählstränge auf einmal, sie sind sozusagen multiplex. In dieser Ausstellung zeigt Libesch erstmals monumentale Wandzeichnungen, die er vorher in groben Zügen entwarf und plante. Sie wurden anlässlich dieser Ausstellung geschaffen und besitzen somit ein endliches Leben. Eine der Zeichnungen umgreift große Teile des Raumes bis zur schwindelerregenden Deckenhöhe der »Zentrifuge«. Eigentlich ist Libesch ein Maler und zudem ein eifriger Erzähler ohne Worte. Ein Gewirr von parallelen Handlungen kennzeichnet seine Geschichten, deren Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zugleich stattfinden. Sicher und routiniert setzt Libesch seine Stories in Szene, egal ob er nun im kleineren Leinwandformat arbeitet oder wie hier überdimensional an einer Wand. Diese Malerei/Zeichnung ist offensichtlich stark beeinflusst von Comics. Jedoch kann man von Beeinflussung nur bis zu einem gewissen Grad sprechen,...

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von Dr. Annegret Winter

Rede zur Ausstellungseröffnung
Galerie Bernsteinzimmer, 22. Oktober 2006

Roger Libesch ist ein Getriebener: Getrieben ist er eine Vielzahl von disparaten Dingen in seinen Gemälden zu vereinen. Und wenn er - im für seine Verhältnisse - kleinen Format arbeitet, wie in unserer Ausstellung zu sehen, wuchern diese Versatzstücke über einzelne Bilder hinaus und hinein in andere. Erkennbar sind sie Fragmente unserer Welt, aus Straßenbildern, Fernsehen, Zeitungen oder Werbung entnommen. Diesen vermeintlich sinnvollen Zusammenhang verlassend, wirken sie zwar wie in einem Shortcut erstarrt, doch dabei tätig-emigirierend. Bewegt, unfertig und verspielt kommen sie daher. Sie erscheinen in irreal-schwankender Topografie, in überzeichneten und waghalsig-wechselnden Perspektiven, ja durch ein besonderes dreidimensionales Sehen wie »um die Ecke gemalt«. Ihre Farbigkeit ist uneindeutig, doppelbödig, weil träuend-lauernd und zugleich heiter-naiv.Verwirrende Blickachsen und sich auftürmende Bildsequenzen erzeugen eine atemlose Dynamik,...

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von Dr. Andrea Madesta

Rede zur Ausstellungseröffnung
Kunstmuseum Erlangen e.V., 10. November 2002

Als »rausch-bilder-rausch« als Bilderrausch, als Rausch der Bilder hat Roger Libesch diese Ausstellung hier betitelt. Der Titel ist sehr charakteristisch für seine Arbeit. Der Künstler produziert Bilder, schafft Serien ohne Anfang und ohne Ende, in denen er imaginäre Geschichten erfindet, die über eine ganz eigene bildnerische Sprache verfügen und eine eigene Bildwirklichkeit vorstellen. In ihren großen Formaten, den plakativen Formen und heftigen Farben kommen uns seine Werke gefährlich nahe. Sie sind einfach da, groß und unübersehbar, kraftvoll präsent und ziehen uns in ihren Bann. Roger Libesch als Schöpfer dieser Bilderwelten, zieht uns förmlich hinein in seine imaginären Räume, setzt überraschende, unvermittelte Blickachsen, überhöht und verzerrt Perspektiven, die uns - gewollt oder nicht – mitten hinein in das Zentrum des Geschehens bringen. Sind wie erst dort einmal gelandet in diesen phantastischen Räumen, brauchen wir Zeit, ...

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