Von Barbara Leicht

Rede zur Ausstellungseröffnung
Zentrifuge, 9. April 2010

Roger Libeschs Stories sind vielschichtig, sie besitzen mehrere Erzählstränge auf einmal, sie sind sozusagen multiplex. In dieser Ausstellung zeigt Libesch erstmals monumentale Wandzeichnungen, die er vorher in groben Zügen entwarf und plante. Sie wurden anlässlich dieser Ausstellung geschaffen und besitzen somit ein endliches Leben. Eine der Zeichnungen umgreift große Teile des Raumes bis zur schwindelerregenden Deckenhöhe der »Zentrifuge«.

Eigentlich ist Libesch ein Maler und zudem ein eifriger Erzähler ohne Worte. Ein Gewirr von parallelen Handlungen kennzeichnet seine Geschichten, deren Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zugleich stattfinden. Sicher und routiniert setzt Libesch seine Stories in Szene, egal ob er nun im kleineren Leinwandformat arbeitet oder wie hier überdimensional an einer Wand.

Diese Malerei/Zeichnung ist offensichtlich stark beeinflusst von Comics. Jedoch kann man von Beeinflussung nur bis zu einem gewissen Grad sprechen, denn Roger Libesch ist kein Kopist von Berühmtheiten der sog. Neunten Kunst. Er generiert seine Charaktere und Motive selbst. Gerne nähert er sich dabei formal der asiatischen Kultur ohne dabei die modische Manga-Malerei zu adaptieren, oder wirft er den Blick zurück auf Facetten der Geschichte des 20. Jahrunderts. Seine Inspirationsquellen sind der Puls des täglichen Lebens, das Banale, die Plastik-Pop-Kultur, in der auch er aufwuchs und die sich in immer neuen Variationen – genauso wie Libesch, der Zeichner, der Maler, der malende Geschichtenerzähler sich und seine narrativen Meisterwerke – immer wieder neu erfindet. Die Komplexität seiner Erzählungen fordert den Betrachter, der sich sein eigenes Story-Board dazu ausdenken darf und muss. Denn kanonische Vorgaben konnte Roger Libesch noch nie leiden.

Die Wandzeichnungen visualisieren Dinge, die sonst nicht sichtbar sind. Ein hoch aktuelles Thema, das Durchleuchten eines Gegenstands oder Körpers, ist als Aufklappen von sonst Verschlossenem und Unsichtbarem visualisiert. Oder haben Sie schon mal einen Sprengstoffgürtel einer vermeintlich harmlosen Attentäterin unter deren Kleidung wahrnehmen können?

Wir fühlen uns hin und her gerissen zwischen Ästhetik und dem Zweifeln am schönen Schein und Sein. Genauso wie die Motive der Bilder bleiben die Assoziationen der Betrachter in Bewegung. Stillstand bedeutet eben doch nichts Gutes.